erstellt von: lacravate, am 05.01.2012 18:54 , Clicks: 5451

Die Weste

Leider nicht mehr oft zu sehen


Es sind rosige Zeiten angebrochen für die klassische Herrenmode. Nicht nur, dass einige große Firmen mittlerweile dazu übergegangen sind, ihre in den letzten Jahren gelockerten Dresscodes wieder zu verschärfen, nein, auch außerhalb der Büros wird wieder Anzug getragen. Das ist erfreulich, ziegt es doch, dass immer mehr Männer den Mut zur förmlicheren Garderobe haben, nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen.
Ein Blick in die Warteschlangen vor Diskotheken zeigt, dass sich dieser Wandel nicht nur auf die ältere Generation beschränkt. Achtzehnjährige Anzugträger auf Partytour wären vor ein paar Jahren noch aufgefallen, inzwischen beginnen die ersten, zu Einstecktuch und Manschettenknöpfen zu greifen. Natürlich sind die Schnitte eher jung, schmal und dynamisch, die Generation hat zudem ein ausgeprägtes Markenbewusstsein (Nun gut, vielleicht kommt da bei dem Verfasser dieser Zeilen ein wenig der Neid durch, aber ich konnte mir als achtzehnjähriger Schüler noch keinen BOSS-Anzug leisten...). Der Anzug hat sein leicht spießiges Image längst verloren.


Was hingegen leider nicht so viel zu sehen ist, ist die klassische Anzugweste. Der Grund dafür ist weniger modischer als praktischer Natur. Während wir dazu übergehen, unsere Wohnräume immer stärker zu beheizen (vor ein paar Jahrzehnten galten sechzehn Grad für einen Wohnraum als warm genug), herrschen auch in den meisten Büros mittlerweile Temperaturen, die einem den Schweiß auf die Stirn treiben. Da wird oft genug schon das Sakko als Belastung empfunden. Darunter nun noch freiwillig eine Weste zu tragen, grenzt hier scheinbar an Masochismus. Denn das Sakko abzulegen und die Weste als Oberbekleidung zu tragen, gilt nach wie vor als unfein, da die Rückseite der Weste ja meist aus Futterstoff besteht und nicht aus dem Anzug-Obermaterial (zugegeben, das gilt für die klassische Herrenmode. In modernen Casual-Varianten kann eine Weste im Retro-Style über einem kragenlosen Hemd oder Shirt, vielleicht mit einem passenden Krawattenschal, ausgesprochen modisch wirken).


Dabei war die Weste bis vor gar nicht allzu langer Zeit fester Bestandteil jedes Anzugensembles. Man trug sie prinzipiell unter dem Jackett, schon um das Hemd und die Hosenträger zu verdecken. Damals wäre sich ein Anzugträger ohne Weste nicht vollständig angezogen vorgekommen. Zudem bot die Tasche der Weste eine willkommene Gelegenheit zum Verstauen einer Taschenuhr. Sie war also in erster Linie ein praktischer Gegenstand. Zudem wirkte sie hochgeschlossen und so ein wenig förmlicher.


Der gängige Businessanzug hat heutzutage nur noch zwei Teile. Dazu dann noch eine unauffällig gestreifte Krawatte. Dass damit auch ein wenig Stil verloren geht, ist schade, aber unserer Praktikabilität geschuldet. Wir glauben nicht mehr, das Hemd verdecken zu müssen. Hosenträger sind aus der Mode gekommen, und Taschenuhren werden kaum noch getragen.Damit ist die Weste zum reinen Stilmittel geworden. Dennoch wirkt ein Anzug mit Weste immer noch sehr viel formeller als ohne. So formell, dass manche Ratgeber vom dreiteiligen Anzug zum Vorstellungsgespräch abraten. Das wirke zu gesetzt und edel.


Und doch: einen Dreiteiler sollte jeder Mann im Schrank haben. Ein schwarzer Anzug mit gleichfarbiger Weste und silbergrauer Krawatte ist das Festlichste unterhalb von Abendgarderobe, was ein Mann besitzen kann. Allgemein können Sie immer dann mit einer Weste punkten, wenn es etwas feierlicher sein soll. Finger weg von farbigen oder reich verzierten Varianten! Eine Weste aus rotglänzendem Satin kann sehr effektvoll sein, wenn Sie sie mit einem modernen Eventanzug mit Nehrukragen tragen. Aber selbst dann ist es ein exzentrischer Look. Einen Freibrief für extravaganten Westenluxus haben Sie nur bei einer Gelegenheit: bei Ihrer Hochzeit. Die Anbieter von Hochzeitswesten überbieten sich geradezu schwelgerisch in den Verzierungen ihrer Kreationen. Und hier hat sich eingebürgert, dass das Jackett darüber sogar ausnahmsweise offen gelassen werden darf.


Ansonsten sollten Sie auf das offene Tragen lieber verzichten, es sei denn, Sie sind Westenmodel oder Schaufensterpuppe. Denn nur bei diesen wird ein Jackett über einer Weste nicht geschlossen, damit man die Weste besser sieht. Schließen Sie die Anzugjacke sonst ganz normal. Wenn man die Weste dann nicht mehr sieht, ist der Kragen zu niedrig. Auch wenn im Berufsalltag inzwischen ein Zweiteiler reicht, sind Sie im feierlichen Rahmen mit Weste noch eine Spur besser angezogen.





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